| USA lässt neues Mittel gegen Schweinegrippe zu |
| Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 11:31 Uhr |
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Die US-Arzneimittelbehörde hat einem neuen Mittel zur Schweinegrippe-Therapie eine Notfallzulassung erteilt. Während viele US-Bürger Angst haben, keinen Impfstoff abzubekommen, prüfen schwedische Behörden derzeit vier Todesfälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung auftraten. Die öffentliche Wahrnehmung könnte unterschiedlicher kaum sein: Während in Deutschland seit Montag die ersten Ärzte, Feuerwehrmänner und Polizisten verhalten zur Schweinegrippe-Impfung schlurfen, herrscht in den USA helle Aufregung: Kliniken, die über Impfstoff verfügen, werden überrannt, Ärzte werden mit Telefonanrufen besorgter und erzürnter Eltern überschüttet. Niemand habe Impfstoff, ärgert sich AnnMarie O'Connor, die in Rockville in Maryland mit ihren beiden kleinen Kindern und tausend anderen Leuten Schlange stand, um sich impfen zu lassen. Bei der Impfstoffproduktion hinken die USA wochenlang hinterher und die Verunsicherung ist groß. Präsident Barack Obama hatte die Schweinegrippe kürzlich zum nationalen Notfall erklärt, und die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat nun sogar in einem Notfallverfahren ein neues Mittel zur Behandlung der Schweinegrippe zugelassen. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Neuraminidase-Hemmer, ein Medikament aus derselben Klasse wie Tamiflu mit dem Wirkstoff Oseltamivir und Relenza mit dem Wirkstoff Zanamivir.Das neue Mittel Peramivir darf künftig - obwohl nicht abschließend untersucht - Patienten gegeben werden, die entweder nicht auf die herkömmliche antivirale Therapie ansprechen oder nicht mehr in der Lage sind, die Tamiflu-Tabletten zu schlucken und das Relenza-Spray zu inhalieren. Denn das besondere an Peramivir ist, dass es intravenös verabreicht werden kann. In der entsprechenden Pressemitteilung der FDA heißt es, die Zulassung gelte, bis die Erklärung zum nationalen Notfall aufgehoben werde oder die Genehmigung von der Agentur zurückgezogen werde. Wettlauf mit dem Virus Den Antrag für die schnelle Zulassung hatten die Centers for Disease Control (CDC) gestellt, um mehr therapeutische Möglichkeiten zur Hand zu haben. Denn präventiv können längst nicht alle impfwilligen Amerikaner geschützt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sollten nach ersten Ankündigungen der Regierung eigentlich 120 Millionen Impfdosen verfügbar sein - tatsächlich sind es erst 13 Millionen. Vertreter der Gesundheitsbehörden machen dafür zum einen die Doppelbelastung der Hersteller verantwortlich, die parallel auch noch die Vakzine gegen die übliche Grippe produzieren müssen, und zum anderen den langwierigen Herstellungsprozess in Hühnereiern. In vielen US-Staaten mussten daher die Massenimpfungen verschoben werden. Bislang sind der Schweinegrippe in den USA nach Angaben der Gesundheitsbehörden mehr als 1000 Menschen zum Opfer gefallen, darunter rund hundert Kinder. Vergangenen Mittwoch waren in 15 Staaten 198 Schulen mit mehr als 65.000 Schülern wegen der Krankheit geschlossen. "Im Moment steht der Impfstoff im Wettlauf mit dem Virus, und das Virus gewinnt", glaubt Impfexperte Michael Osterholm von der Universität von Minnesota. Bis Mitte November sollen nun 50 Millionen Dosen ausgeliefert sein, im Dezember dann 150 Millionen. Nicole Lurie vom Gesundheitsministerium zeigte sich zuversichtlich, das man bis Ende November wieder einigermaßen im Plan sei. Einer Studie der Purdue Universität zufolge könnten die Impfungen jedoch dann zu spät kommen, um die Fallzahlen noch signifikant zu verringern. Die Forscher sagen voraus, dass die Infektionen Ende Oktober ihren Höhepunkt erreichen und dass sich bis Jahresende 63 Prozent der Bevölkerung angesteckt haben werden.
Milliarden Impfdosen fehlen in Entwicklungsländern Engpässe gibt es auch an anderen Orten der Welt: In den Entwicklungsländern ist der Bedarf an Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei weitem nicht zu decken. Im Falle einer Seuche würden "Milliarden von Impfdosen" fehlen, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bei einem Besuch in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Die WHO will demnach im November damit beginnen, Impfstoffe an mehr als hundert Entwicklungsländer zu liefern. Auch die EU-Kommissarin Androulla Vassiliou warnte vor hohen Infektionszahlen und den Folgen der Schweinegrippe: "Die wirtschaftliche Erholung in der EU könnte durch die Schweinegrippe geschwächt werden", sagte Vassiliou der Zeitung "Die Welt". In Deutschland sind bislang drei Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Während auf der einen Seite aber Mahner und Sorgenträger eine Ansteckung mit H1N1 für gefährlich halten, fürchten Kritiker der zahlreichen Impfkampagnen weltweit unabsehbare Folgen durch die Immunisierung. Insbesondere bei Schwangeren und Kleinkindern etwa ist noch unklar, was die Impfung im Körper bewirkt - Studien gibt es hier nicht. Vier Todesfälle nach Impfung in Schweden In Schweden sind seit dem Beginn der Massenimpfung zudem vier Menschen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung gestorben. Bei den zwei Männern und zwei Frauen im Alter zwischen 50 und 90 Jahren handelte es sich um Patienten mit Vorerkrankungen, teilte die Arzneimittelbehörde Läkemedelsverket mit. Auch in Deutschland sollen gerade Risikogruppen, also chronisch Kranke, bevorzugt immunisiert werden. "Bislang haben wir keinen Hinweis darauf, dass die Impfung ursächlich war für die Todesfälle". "Aber wir nehmen das sehr ernst und untersuchen die Fälle weiter." Auf den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts, dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, ist bereits einer der Todesfälle genannt. Demnach hatte eine Autopsie des zwölf Stunden nach der Impfung verstorbenen Patienten ergeben, dass er bereits mehrere Herzinfarkte gehabt und unter Arteriosklerose gelitten habe. "Der Fall wird derzeit überprüft, aber zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es keinen Anhaltspunkt für einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und Tod", heißt es. |