Kurz vor dem Start der Impfaktion gibt es in Deutschland den dritten Schweinegrippe-Toten!
Der 65-Jährige hatte mehrere chronische Krankheiten, wurde am Mittwoch mit multiplem Organversagen in die Uniklinik Mannheim (Baden-Württemberg) eingeliefert.
Dr. Christoph Klein, Referent des Ärztlichen Direktors: „Bei Einlieferung wurde uns mitgeteilt, dass er auch noch mit H1N1 infiziert ist. Sein Körper war sehr geschwächt, zeigte erste Vergiftungsreaktionen, weil einzelne Organe wie Nieren und Leber nach und nach ihre Arbeit eingestellt haben. Bei diesem schweren Krankheitsbild konnten wir ihm nicht mehr helfen. Er wäre vermutlich auch an einer normalen Grippe oder Lungenentzündung verstorben.“
Trotzdem: Immer mehr Mediziner warnen jetzt davor, das Virus zu unterschätzen. In Europa gibt es bislang 270 Tote, weltweit 5 383.
• Die spanischen Gesundheitsbehörden registrierten allein in der vergangenen Woche neun Tote! Insgesamt starben in Spanien 54 Menschen an Schweinegrippe.
• Die meisten Opfer (europaweit) starben in Großbritannien: Ein Drittel der 128 verstorbenen Patienten hatte zuvor keine oder nur geringfügige Gesundheitsprobleme, 54 Prozent waren unter 45 Jahre alt.
• In Norwegen starb am Donnerstag ein kleiner Junge (2). Gestern drängten sich in der Stadt Bergen daraufhin so viele Patienten an einer Impfstation, dass die Polizei eingreifen musste.
• In Großbritannien liegen 99 Schweinegrippe-Kranke auf der Intensivstation. Ärzte sind geschockt über den schweren Verlauf. Sir Liam Donaldson, Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium: „Es sieht so aus, als hätte das Virus in der Grippe-Saison andere Auswirkungen als im Sommer.“
• Frankreich meldet 36 Todesopfer.
• In den USA warteten 3 000 Menschen bis zu elf Stunden lang auf die Öffnung der „Rockville Clinic“ (Maryland). Nach 90 Minuten waren die 1400 Impfstoffdosen alle. Es kam zu Tumulten. Die Polizei forderte die Menschenmenge mit Megaphonen auf zu gehen.
• Wegen der Impfstoff-Engpässe lässt Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger Schutzmasken verteilen.
• In Schweden starben zwei Menschen nach der Impfung. Nach Angaben der Ärzte hatten sie Vorerkrankungen.
Am Montag beginnt die Massenimpfung in Deutschland. Thomas Schulz, Sprecher der Gesundheitsministerkonferenz warnt davor, die Schweinegrippe wegen des milden Verlaufs zu unterschätzen: „Auch eine leichte Krankheit kann bei bestimmten Menschen zum Tod führen.“
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 27. Oktober 2009 um 15:33 Uhr
Simone K. (38) aus Gelsenkirchen (NRW) ist die erste Schweinegrippe-Tote in Deutschland. Jetzt ist bekannt, wie schlimm das Virus ihren Körper zerfraß ...
Zehn Tage lang kämpften die Ärzte der Uniklinik Essen um das Leben der 180 Kilo schweren Diabetikerin. Sie war mit einer verschleppten Grippe eingeliefert worden – Schweinegrippe!
Dann ging alles ganz schnell. Professor Jan Buer (42): „Das Virus ging auf die Schleimhäute der Lunge, ihr Immunsystem brach zusammen und konnte sich gegen Bakterien nicht mehr wehren, die Superinfektion begann. Ihr Körper wurde regelrecht aufgefressen, Arme und Beine wurden schwarz, Darm und Lunge waren abgestorben und ihr Blut vergiftet.“
Laut einer Umfrage des Ärzte-Fachportals „Hippokranet“ halten 93 Prozent von 734 befragten Ärzten eine Massenimpfung für nicht nötig. Da der Krankheitsverlauf bei den meisten Infizierten sehr mild verläuft.
Die Schweinegrippe beeinflusst zunehmend unseren Alltag. Im Allgäu (Bayern) musste der Kreisklassen-Fußballclub SV Heiligenkreuz die Spiele der ersten und zweiten Mannschaft am Wochenende absagen. Vier Spieler erkrankten, weil sie aus gemeinsamen Flaschen getrunken hatten.
Insgesamt wurden in Deutschland bisher 15 259 Infizierte registriert.
Diagnose mangelhaft: Die Schnelltests, die zur Erkennung der Schweinegrippe benutzt werden, sind extrem unzuverlässig - und geben in vielen Fällen falsche Entwarnung. Bei einer Arzthelferin wurde eine Infektion nicht erkannt, die Frau arbeitete noch tagelang in einer Klinik.
Die Schnelltests, die bei Schweinegrippe-Verdachtsfällen verwendet werden, geraten zunehmend ins Zwielicht. "Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Schnelltests zeigen zu mehr als 50 Prozent ein falsch negatives Ergebnis an", sagte Thomas Schulz, Leiter der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Eine Infektion mit der Seuche werde also bei jedem zweiten Verdachtsfall nicht erkannt. Schulz beruft sich auf seine Erfahrungen aus 20 Schnelltests.
"Der Test wurde für die normale Influenza entwickelt und reagiert auf dieses spezielle Grippevirus nicht genau".Er werde eher als Notlösung für die Erkennung von Schweinegrippe verwendet.
Nur wenn ein Schnelltest positiv ist, wird ein zusätzlicher Viren-Gentest angeordnet, der Sicherheit bietet. Aus diesem Grund benutze die MHH die Schnelltests in der Routinediagnostik der Schweinegrippe zurzeit nicht, sagte Schulz. Allerdings bedeute das nicht, dass die offiziell vom Robert-Koch-Institut gemeldeten Fallzahlen damit unzuverlässig seien. "Diese Diagnosen basieren auf zuverlässigen Gentests."
Auch die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) warnt vor einer hohen Fehlerquote bei den weit verbreiteten Schweinegrippe-Schnelltests. Sie könnten bei einer geringen Konzentration des Virus A/H1N1 ein negatives Ergebnis liefern, obwohl eine Infektion vorliege. Die Trefferquote liege lediglich zwischen 40 und 69 Prozent. Zahlreiche Infektionen könnten so übersehen werden und die Betroffenen keine Therapie erhalten, teilte das CDC in seinem wöchentlichen Bericht in Washington mit. Die Behörde hatte nach eigenen Angaben Schweinegrippe-Schnelltests von drei verschiedenen Anbietern getestet. Bei einer hohen Virenkonzentration trat die Fehldiagnose jedoch nicht auf.
Schulz rät daher Hausärzten und Kliniken, den Schnelltest nicht mehr zu verwenden und im Verdachtsfall einen Gentest vornehmen zu lassen. Dazu aber muss eien Blutprobe an ein Labor geschickt werden - laut Schulz dauert es rund einen Tag, bis das Ergebnis vorliegt. Weiteres Problem sind die Kosten. Der Gentest ist teurer als der Schnelltest: "Die Krankenkassen zahlen nur den Schnelltest, aber nicht den Gentest auf Schweinegrippe", so Schulz. Patienten mit Verdacht auf Schweinegrippe müssten daher die Kosten für den zuverlässigen Gentest in Höhe von 50 bis 80 Euro selbst aufbringen, um Gewissheit zu haben, ob sie mit der Seuche infiziert sind oder nicht.
Die Unzuverlässigkeit des Schnelltests hatte in Deutschland bereits in mindestens einem Fall negative Auswirkungen: Eine Klinikmitarbeiterin in Braunschweig war nach einem Urlaub auf Ibiza mit Beschwerden zu ihrer Hausärztin gegangen. Der dort durchgeführte Schnelltest fiel negativ aus, die Frau wurde nicht krankgeschrieben. Sie kehrte daraufhin an ihren Arbeitsplatz zurück und betreute eineinhalb Wochen lang Patienten. Erst der Labortest brachte die eindeutige Schweinegrippe-Diagnose.
Die 60 Patienten und 13 Kollegen, mit denen die 25-Jährige in der Klinikambulanz in Kontakt kam, wurden nach Angaben einer Klinik-Sprecherin untersucht. Ein Test habe ergeben, das keine Ansteckung vorliege. "Die Mitarbeiterin hatte mit allen Patienten und Kollegen nur wenig direkten Kontakt. Als Arzthelferin gehören vor allem Schreibarbeiten zu ihren Aufgaben."
Experten kritisieren das Vorgehen der Klinik: "Es war fahrlässig, sich bei dieser Patientin mit deutlichen Grippe-Symptomen nur auf den Schnelltest zu verlassen und sie wieder zur Arbeit zu schicken, ohne das Laborergebnis abzuwarten", sagte der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker.
Beunruhigende Nachrichten: Das Robert Koch Institut sieht erste Anzeichen für eine Veränderung des Schweinegrippe-Erregers. Die Virologen schauen hierbei mit Sorge auf die südliche Halbkugel.
Verändert sich das Virus? Laut Experten gibt es erste Anzeichen, dass der Erreger der Schweinegrippe, das H1N1-Virus, in Ländern der südlichen Hemisphäre neben der normalen saisonalen Grippe auftritt oder deren Stämme verdrängt. Der Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI), Jörg Hacker, sagte, es sei daher damit zu rechnen, dass das Virus sich verändere und im Herbst in abgewandelter Form auf die nördliche Halbkugel gelange. Noch aber, so bekräftigte Hacker, verlaufe die Grippe bei den meisten Betroffenen eher mild.
Experten fürchten seit langem, dass sich das Erbgut des Erregers mit dem normaler Influenza-Viren zu einer aggressiveren Variante vermischen könnte. Nach Angaben Hackers gibt es in Deutschland inzwischen mehr als 300 nachgewiesene Infektionen mit der sogenannten Schweinegrippe. Laut WHO gibt es weltweit 52.160 bestätigte Fälle von Schweinegrippe, 231 Menschen sind offiziell an daran gestorben.
Personen über 50 Jahre erkranken seltener als junge Menschen, offenbar gebe es in der älteren Generation eine Art Grundimmunisierung, so Hacker. Auch Personen mit chronischen Erkrankungen seien auffällig häufig betroffen.
Kanzlerin sieht Deutschland gut gerüstet
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Bundesrepublik für den Fall einer weiteren Verbreitung der neuen Grippe gut gerüstet. "Was die Vorbereitung anbelangt, kann man, glaube ich, sagen, dass Deutschland sehr gut vorbereitet ist", sagte sie nach einem Besuch beim RKI. So sei die Bevorratung des Grippemittels Tamiflu eng mit den Bundesländern abgestimmt worden.
Auch international gebe es enge Kontakte beispielsweise bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Als nächstes sei mit den anderen Staaten eine Abstimmung darüber notwendig, nach welchem Plan bei der Impfung vorgegangen werde solle. Dazu müssten die Risikogruppen analysiert werden. Laut Hacker ist im Herbst mit einem Impfstoff zu rechnen.
Im baden-württembergischen Königsfeld wurde eine Grundschule geschlossen - es bestand Verdacht auf Schweinegrippe. Dies sagte ein Sprecher der Kleinstadt im Schwarzwald. Der Unterricht falle die gesamte Woche aus. Es seien 80 Schüler betroffen. Bei einem Kind in der dritten Klasse vermute man eine Infektion mit Schweinegrippe.
Eigentlich sollte nur der Unterricht für die Schüler der betroffenen Klasse ausfallen. Aber am Montag seien nur wenige Schüler überhaupt erschienen. Ein regulärer Schulbetrieb sei daher nicht mehr möglich gewesen. Die Schließung sei medizinisch nicht gerechtfertigt, betonte der Sprecher.
GRATIS-HOTLINE DER BUNDESREGIERUNG
Unter 0800-44 00 55 0 können sich Bürger ab sofort telefonisch über die Schweinegrippe informieren. Die kostenlose Hotline wird vom Bundesgesundheitsministerium betrieben und ist montags bis donnerstags zwischen 8 und 18 Uhr, freitags zwischen 8 und 12 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen zwischen 10 und 16 Uhr zu erreichen.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 24. Juni 2009 um 09:47 Uhr